7. Was gilt es bei vertraglichen Regelungen zusätzlich zu beachten?

 

7.1 Zählen Wochenenden und Feiertage bei Fehltagen mit?

 

Eine Woche umfasst 7 Tage inkl. Samstage, Sonntage und Feiertage. D.h. bei z.B. zugestandenen 8 Wochen Fehlzeit entspricht das 56 Tagen. Grundsätzlich sollten Einbestellungen möglichst auch für den Samstag möglich sein und zumindest Anrufe auch an Sonn- und Feiertagen für den Folgetag erfolgen, um möglichst lückenlos Kontrollen durchführen zu können.

 

 

7.2 Soll bzw. muss auch ein Programm über Haarkontrollen abgeschlossen werden?

 

Entscheidet man sich für ein Urinkontrollprogramm, ist zwingend der Abschluss eines kompletten Kontrollprogrammes notwendig. Entscheidet man sich für Haarkontrollen, kann man Einzelbefunde sammeln, die letztendlich einen Abstinenzbeleg z.B. über ein Jahr liefern müssen. Man kann flexibel Befunde an verschiedenen Standorten durch verschiedene Institutionen zusammenstellen, ist dann aber selbst dafür verantwortlich, dass keine Lücken bestehen. Ist eine solche Flexibilität nicht erforderlich, empfiehlt sich auch bei Haarkontrollen der Abschluss eines Programms, bei dem man entsprechend zu Folgeterminen einbestellt und damit erinnert wird.

 

7.3 Kann bei Einsatz von Markerverfahren auf die Sichtkontrolle bei Urinkontrollprogrammen verzichtet werden?

 

Die Beurteilungskriterien schließen den Einsatz von Markerverfahren für die Fahreignungsbeurteilung derzeit explizit aus. Nach Diskussionen zwischen den einschlägigen Fachgesellschaften und einem Anbieter, die auf den Homepages GTFCh, DGVM, DGVP und DGRM nachzulesen sind, kam es auf Initiative des BMVI am 18.07.2016 zu einem Expertengespräch bei der BASt, in dem die Fachgesell­schaften ihre Position erläuterten und diese mit den derzeit noch offenen Fragen zu Sicherheit der Identitätsüberprüfung, Markervalidierung, Saccharosetest, Manipu­lations­möglichkeiten (wie verzögerte Urinabgabe, Verdünnung, Zugabe von Störsubstanzen) und Widersprüchen in den Anwendungsvorgaben begründeten. Es wurde festgestellt, dass der Einsatz von Markerverfahren zur Zeit keinen Ersatz für die Sichtkontrolle bei der Urinabgabe darstellt. Es wurde ebenfalls festgehalten, dass verbindliche Standards für die Sichtkontrolle derzeit fehlen und zu entwickeln sind. Zur abschließenden Beurteilung des Einsatzes von Markerverfahren im Bereich der Fahreignung fehlen entsprechende Studien, die eine Beantwortung der aufgeworfenen Fragen erlauben und daher durchgeführt werden sollten; die Fachgesellschaften haben ihre Mitarbeit angeboten. Die BASt hat eine Stellungnahme verfasst.

 

7.4 Wie kann man verlässlich nachweisen, ob eine Einnahme von Medikamenten im therapeutischen Bereich stattfindet, z.B. durch Haaranalyse oder regelmäßige Blutabnahmen?


Der Nachweis ist immer abhängig von der Fragestellung. Anhand der Urinanalyse kann nur eine Aussagen darüber getroffen werden, ob eine Einnahme erfolgte oder nicht. Aussagen über die eingenommene Menge (Dosis) sowie den Zeitpunkt der letzten Einnahme sind nicht möglich. Hierzu sind Blutanalysen erforderlich. Für zentral wirksame Medikamente (u.a. Benzodiazepine, Psychopharmaka, Opioide) sind die therapeutischen Konzentrationsbereiche tabelliert, was zumindest eine grobe Abschätzung darüber erlaubt, ob die im Blut bzw. Serum nachgewiesene Konzentration im therapeutischen Bereich liegt. Pharmakokinetik-Programme erlauben ferner die Rückrechnung der zu erwartenden Blut-/Serumkonzentration aufgrund der vom Klienten gemachten Angaben zu eingenommener Menge und Zeitpunkt der Einnahme.
Besteht ein Verdacht auf Medikamentenmissbrauch im Allgemeinen, genügt es unter Umständen nicht, gezielt nur auf ein Medikament hin zu testen. Hier bietet sich eine Urinprobe als ergänzendes qualitatives Verfahren an, um auf das Vorhandensein weiterer Substanzen hin zu testen. Alternativ lässt sich die Analyse der Blutprobe in Form eines Screenings um Substanzklassen oder um spezifische Substanzen erweitern. Im Vorfeld sollte man sich über die Möglichkeiten der jeweiligen Laboratorien informieren.
Da die Blutanalyse immer nur eine Aussage über den derzeitigen Zustand erlaubt, kann ihr Ergebnis dadurch verfälscht sein, dass der Klient sein Konsumverhalten kurz vor der Blutentnahme geändert hat. Hier hat die Haaranalyse den Vorteil, dass quantitative Aussagen über einen längeren Zeitraum hinweg (in Abhängigkeit von der Haarlänge) möglich sind.
Da die Labore, die solche Analysen regelhaft durchführen, eigene Statistiken über die Substanzkonzentrationen in den von ihnen analysierten Proben führen, sind anhand der Haarprobe Aussagen darüber möglich, ob im betrachteten Zeitraum eher eine einmalige, gelegentliche oder gewohnheitsmäßige Einnahme stattfand. Um Hinweise auf den Zeitpunkt der Einnahme zu erhalten, sind auch segmentierte Haaranalysen möglich. Diese eignen sich auch für Veränderungsfragestellungen.
Bei Cannabis kann anhand der Analytik nicht zwischen therapeutischer und illegaler Einnahme unterschieden werden. Ein Anhaltspunkt kann die nachgewiesene Konzentration sein. Weiterhin gibt es bestimmte Marker, die bei einer Haaranalyse anzeigen, dass zusätzlich zu einer oralen medikamentösen Therapie Cannabis geraucht wurde.

 

7.5 Ist für Sonderanalysen auf Medikamente, synthetische Cannabinoide oder sog. Badesalz-Drogen zwingend eine Akkreditierung für diese Methoden zu fordern?

 

Ist für Sonderanalysen auf Medikamente, synthetische Cannabinoide oder sog. Badesalz-Drogen zwingend eine Akkreditierung für diese Methoden zu fordern?

Eine Akkreditierung wäre wünschenswert, wird aber nicht eingefordert. Entsprechende Analysen müssen aber in forensisch-toxikologischen Laboren erfolgen, die zumindest für die Analysen im Rahmen des polytoxikologischen Screenings in den entsprechenden Matrices akkreditiert sind. Der Kosten-Nutzen-Aufwand für eine erweiterte Akkreditierung steht in keiner Relation, zumal sich mögliche Anforderungen gerade bei den Neuen Psychoaktiven Substanzen (NPS) stetig ändern können. Das Labor muss allerdings angeben, auf welche Analyte getestet wurde und auf dem aktuellen Stand gehaltene Screeningmethoden verwenden. Qualitative Nachweise von NPS sind in der Regel als ausreichend zu erachten. Bei Medikamentenbestimmungen im Serum/Blut ist in der Regel eine Quantifizierung erforderlich.

 


7.6 Was ist bei der Analyse einer Rückstellprobe und bei möglicherweise diskrepanten Befunden zu beachten?


Es kann nur bei einer Einzelfallprüfung bleiben. Wichtig ist, dass bei einer Überprüfung von Befunden ein konkreter Gutachtensauftrag an das beauftragte Labor erteilt wird. Handelt es sich um ein zweites Labor sollte es vom ersten Analysenbefund in Kenntnis gesetzt werden (Mitteilung der festgestellten Konzentration). Notwendigerweise muss die analytische Empfindlichkeit des Verfahrens des Zweitlabors mindestens in dem Bereich des Ergebnisses des Erstlabors liegen, was im Vorfeld abzuklären ist. Eben dazu muss der zu überprüfende Erstbefund auch angegeben werden, so dass das Zweitlabor vergleichen und berichten kann, ob ein komplett negativer Re-Analysebefund erhalten wurde oder ob das Analysenergebnis positiv war oder ob es zumindest einen analytischen Hinweis auf die Substanz gab, nämlich z.B. dann, wenn die Kriterien für eine sichere massenspektrometrische Identifizierung nicht erreicht wurden.
Kommt es zu diskrepanten Ergebnissen, so muss u. U. eine Einsicht in die jeweiligen Laborunterlagen durch einen sachverständigen Toxikologen erfolgen, der dazu eine Stellungnahme verfasst.
Die Kosten für eine Zweitanalyse und ggf. eine sachverständige Stellungnahme trägt jeweils der Auftraggeber. Ggf. können Regressansprüche geltend gemacht werden.