Fragen zu Kriterium CTU 3

 

Ist die Akkreditierung eines medizinischen Labors nach DIN ISO 15089 als gleichwertig anzusehen?


Nein. Die beiden ISO-Normen unterscheiden sich erheblich, zumal bei der geforderten Akkreditierung für forensische Zwecke noch spezielle Anforderungen zur Umsetzung der Norm zu erfüllen sind, wie sie von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) in Anlehnung an die Richtlinien der Gesellschaft für Toxikologische und Forensische Chemie (GTFCh) formuliert wurden. Dieses betrifft u.a. die Validierung von Verfahren, die Kalibration, die Ermittlung von Methodenkenndaten und insbesondere die forensische Qualifikation der Leitung. Diese wird nicht zuletzt von Ärzten und Psychologen als besonders wichtig angesehen, geht es doch nicht nur um die Erstellung von Messwerten, sondern häufig auch um eine qualifizierte Interpretation von Befunden unter Berücksichtigung von Einlassungen oder weiteren Anknüpfungspunkten. Analytik und Interpretationskompetenz gehören in eine Hand.

 

 

Wie kann man verlässlich nachweisen, ob eine Einnahme von Medikamenten im therapeutischen Bereich stattfindet, z.B. durch Haaranalyse oder regelmäßige Blutabnahmen?


Der Nachweis ist immer abhängig von der Fragestellung. Anhand der Urinanalyse kann nur eine Aussagen darüber getroffen werden, ob eine Einnahme erfolgte oder nicht. Aussagen über die eingenommene Menge (Dosis) sowie den Zeitpunkt der letzten Einnahme sind nicht möglich. Hierzu sind Blutanalysen erforderlich. Für zentral wirksame Medikamente (u.a. Benzodiazepine, Psychopharmaka, Opioide) sind die therapeutischen Konzentrationsbereiche tabelliert, was zumindest eine grobe Abschätzung darüber erlaubt, ob die im Blut bzw. Serum nachgewiesene Konzentration im therapeutischen Bereich liegt. Pharmakokinetik-Programme erlauben ferner die Rückrechnung der zu erwartenden Blut-/Serumkonzentration aufgrund der vom Klienten gemachten Angaben zu eingenommener Menge und Zeitpunkt der Einnahme.
Besteht ein Verdacht auf Medikamentenmissbrauch im Allgemeinen, genügt es unter Umständen nicht, gezielt nur auf ein Medikament hin zu testen. Hier bietet sich eine Urinprobe als ergänzendes qualitatives Verfahren an, um auf das Vorhandensein weiterer Substanzen hin zu testen. Alternativ lässt sich die Analyse der Blutprobe in Form eines Screenings um Substanzklassen oder um spezifische Substanzen erweitern. Im Vorfeld sollte man sich über die Möglichkeiten der jeweiligen Laboratorien informieren.
Da die Blutanalyse immer nur eine Aussage über den derzeitigen Zustand erlaubt, kann ihr Ergebnis dadurch verfälscht sein, dass der Klient sein Konsumverhalten kurz vor der Blutentnahme geändert hat. Hier hat die Haaranalyse den Vorteil, dass quantitative Aussagen über einen längeren Zeitraum hinweg (in Abhängigkeit von der Haarlänge) möglich sind.
Da die Labore, die solche Analysen regelhaft durchführen, eigene Statistiken über die Substanzkonzentrationen in den von ihnen analysierten Proben führen, sind anhand der Haarprobe Aussagen darüber möglich, ob im betrachteten Zeitraum eher eine einmalige, gelegentliche oder gewohnheitsmäßige Einnahme stattfand. Um Hinweise auf den Zeitpunkt der Einnahme zu erhalten, sind auch segmentierte Haaranalysen möglich. Diese eignen sich auch für Veränderungsfragestellungen.
Bei Cannabis kann anhand der Analytik nicht zwischen therapeutischer und illegaler Einnahme unterschieden werden. Ein Anhaltspunkt kann die nachgewiesene Konzentration sein. Weiterhin gibt es bestimmte Marker, die bei einer Haaranalyse anzeigen, dass zusätzlich zu einer oralen  medikamentösen Therapie Cannabis geraucht wurde.

 


Was ist bei der Analyse einer Rückstellprobe und bei möglicherweise diskrepanten Befunden zu beachten? Braucht es sog. „Oberbegutachtungsstellen für Labore“?


Es kann nur bei einer Einzelfallprüfung bleiben. Wichtig ist, dass bei einer Überprüfung von Befunden ein konkreter Gutachtensauftrag an das Zweitlabor erteilt wird. Das Zweitlabor sollte vom ersten Analysenbefund in Kenntnis gesetzt werden (Mitteilung der festgestellten Konzentration). Notwendigerweise muss die analytische Empfindlichkeit des Verfahrens des Zweitlabors mindestens in dem Bereich des Ergebnisses des Erstlabors liegen, was im Vorfeld abzuklären ist. Eben dazu muss der zu überprüfende Erstbefund auch angegeben werden, so dass das Zweitlabor vergleichen und berichten kann, ob ein komplett negativer Re-Analysebefund erhalten wurde oder ob das Analysenergebnis positiv war oder ob es zumindest einen analytischen Hinweis auf die Substanz gab, nämlich z.B. dann, wenn die Kriterien für eine sichere massenspektrometrische Identifizierung nicht erreicht wurden.
Kommt es zu diskrepanten Ergebnissen, so muss u.U. eine Einsicht in die jeweiligen Laborunterlagen durch einen sachverständigen Toxikologen erfolgen, der dazu eine Stellungnahme verfasst.
Die Kosten für eine Zweitanalyse und ggf. eine sachverständige Stellungnahme trägt jeweils der Auftraggeber. Ggf. können Regressansprüche geltend gemacht werden.

 

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